Wie kannst Du erkennen, ob ein Produkt oder Service nachhaltig ist?

Die kurze Antwort: meist gar nicht, zumindest nicht ohne aufwändige Recherchearbeit oder einen Doktortitel in Chemie. Wir hätten beispielsweise nicht gedacht, dass Apple so gut abschneidet, sogar besser als Samsung. Ist aber so. Wir hatten viele Aha-Erlebnisse in den vergangenen Monaten. Und wir haben die Bestätigung bekommen, dass es uns allen beim Einkaufen sehr schwer gemacht wird, im Dickicht der Ökolabels Transparenz und Klarheit zu bekommen.

Wir hatten einen Rahmen, der uns geholfen hat, Treepoint mit Leben zu füllen.

  1. Wir wollten möglichst einheitliche Kriterien, die Dir verständlich sind – über alle Produktgruppen hinweg.
  2. Wir wollten eine Skala von 1-5 Treepoints abbilden, weil Du das von Kundenbewertungen kennst
  3. Wir wollten die Kriterien gewichten, damit die Bewertung auch das abbildet, was Dir wichtig ist.
  4. Wir wollten eine Kombination aus Unternehmens- und Produktbewertungen, denn Nachhaltigkeit muss vom Management gelebt werden. Alles andere ist scheinheilig.
  5. Wir wollten die Bewertungen automatisieren, um möglichst viele Produkte bewerten zu können.

Der Rest war grüne Wiese. Es gibt keine allgemein gültigen Kriterien für Nachhaltigkeit, dafür ist das Thema zu komplex. Erste Erkenntnis. Wir haben also zunächst entschieden, uns auf soziale und ökologische Aspekte zu konzentrieren. Danach begannen wir, Nachhaltigkeitsberichte, Blogs, Webseiten und Foren durchzuackern, um die Kriterien für die Unternehmen zu entwickeln und zu bewerten. Die Schwierigkeiten waren unklare oder zu schwammige Aussagen und fehlende Daten. Die Qualität der Nachhaltigkeitsberichte, die für Unternehmen >500 Mitarbeiter sogar Pflicht sind, ließ in einigen Fällen zu wünschen übrig. Oft war es mehr Marketing als konkrete Auskunft. Beim Thema Gehalt oder Arbeitszeit war es oft schwer, verlässliche Aussagen zu treffen, oder Bewertungsseiten wie GlassDoor zeichneten ein ganz anderes Bild des Unternehmens. Wie sollten wir damit umgehen? Wir haben uns entschieden, unklare Angaben transparent zu machen und mit 0 Punkten zu bewerten. Es gab Zertifizierungen, die das Energie- und Umweltmanagement sowie Arbeitsbedingungen abdecken, aber die Recherche dazu war der größte Schmerz unserer Arbeit in der Phase. Keinem normal einkaufenden Menschen ist die Kenntnis von ISO 50001 (Energie) oder SA8000 (Arbeitsbedingungen) zuzumuten.

Als wir uns durchgekämpft hatten, stand der Kriterienkatalog für die Unternehmen, und 45 Unternehmen waren bewertet. Der manuelle Prozess förderte wichtige Erkenntnisse:

  1. Wir haben die richtige Mission. Du kannst diese Transparenz unmöglich selbst erreichen, wenn Du online einkaufst.
  2. Wir mussten manuell bewerten und konnten nicht automatisieren, weil die Daten so uneinheitlich in den Berichten kommuniziert wurden, dass ein Mensch sie interpretieren musste.
  3. Kleinere Unternehmen wirtschaften vielleicht nachhaltig, veröffentlichen aber wenige Daten dazu und müssen keinen Nachhaltigkeitsbericht verfassen. Wir konzentrierten uns daher zunächst auf größere Unternehmen und überlegen eine Strategie für die kleinen.

Es gab Unternehmen, die uns überraschten, weil sie zeigen, dass ökonomisches Wachstum und Engagement für Umwelt und Soziales kein Widerspruch sein muss – und das zu fairen Preisen. Hervorheben möchten wir hier VAUDE, die in der umkämpften Textil- und Outdoorbranche Vorreiter für Nachhaltigkeit sind.

 

Foto: VAUDE

Okay, die Unternehmen waren bewertet, jetzt ging es an die Produkte. Auch hier tasteten wir uns mit unseren eigens entwickelten Kriterien vor. Viele Kriterien, die wir vorher im Sinn hatten, fielen weg, weil sie schon durch die Unternehmen abgedeckt wurden. Was alle als relevantes Kriterium gemeinsam hatten, war die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Aber wie kann der Verbraucher nun wissen, ob das Produkt Giftstoffe enthält oder nicht? Vielleicht über die Öko-Label? Davon gibt es laut der Webseite Label-online.de allein an die 150 in Deutschland, und laut Umweltbundesamt sind nur eine Handvoll dem Konsumenten wirklich bekannt. Zudem ist die Labelvergabe nicht geschützt, und jedes Unternehmen kann sein eigenes Label erstellen und nutzen. In Summe gibt es tatsächlich fast 1000 Label auf dem deutschen Markt!

Wir fingen also an, die gängigsten Label zu analysieren und auf unsere Kriterien zu matchen. Damit „übersetzen“ wir sie und machen transparent, was eigentlich dahintersteckt. Erschüttert waren wir bei den Körperpflegeprodukten, bei denen in vielen Mikroplastik oder andere bedenkliche Inhaltsstoffe waren, die aber in der EU erlaubt sind (Quellen: http://www.cosmeticanalysis.com/de/kosmetik-produkte/ und www.hautschutzengel.de). Es waren so viele, dass wir „kein Mikroplastik“ als Bonus- und nicht als Pflichtkriterium genommen hatten. Auf unserer Webseite findest Du aber nur Produkte, die von uns als absolut unbedenklich bewertet wurden (ohne Mikroplastik etc).

Als das fertig war, konnten wir online gehen. Aber wie zum Teufel sollten wir jetzt alle Informationen verdaulich und anschaulich auf die Webseite bringen? Transparenz war unser Antrieb, also mussten wir die Daten in eine nutzerfreundliche Form bringen, ohne die Webseite zu überfrachten. Die Aufgabe verlangte uns noch etliche Stunden und Kaffees ab. Das Ergebnis siehst Du auf www.treepoint.de. Wir freuen uns darauf, noch viele weitere Produkte und Unternehmen für Dich zu bewerten!

Was Du tust, macht einen Unterschied.
Und Du hast zu entscheiden, welche Art von Unterschied
Du machen willst.“       Jane Goodall

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